„Das ist ein mutiges Projekt“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Zevener-Zeitung: Lutz Hilken   
Montag, 11. Mai 2015 um 06:56

Zehnjährige Kinder befassen sich mit den Schrecken von Krieg und Gewalt. Geht das? Es funktioniert. Das haben die Viertklässler der Grundschule Selsingen bewiesen. Sie beteiligten sich an einem Projekt, das gestern in der Eröffnung einer Ausstellung über Krieg, Frieden und Menschenrechte mündete.

Freitagvormittag in der Aula der Grundschule Selsingen. Die Viertklässler und manche Eltern, Repräsentanten der Stiftung Lager Sandbostel und sogar niederländische Gäste, die auf der Suche nach einem verstorbenen Verwandten, einem ehemaligen Lagerinsassen sind, hören aufmerksam ein Lied: „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg. Konrektor Helmut Winkelmann zitiert aus dem Text: „Ich bin wohl noch zu klein, ich bin ja noch ein Kind“ – um den (Un-)Sinn von Kriegen zu verstehen. Dass das nicht stimmt, sich Grundschüler sehr wohl mit dem ernsten Thema auseinander zu setzen vermögen, das ist in den vergangenen Wochen bewiesen worden, sagt der Pädagoge. In der Tat. Die Klassen 4a bis 4d haben zusammen gearbeitet und eine Ausstellung zusammengestellt, die jetzt in der Aula zu sehen ist. Hintergrund: Die Kinder stellen Fragen. Ob im Religions- oder Sachunterricht. Warum ist es so, dass sich auch heute noch Menschenbekriegen?

Sollten Ängste bestehen, dass Kinder im 4. Schuljahr mit dem Thema überfordert wären, „dann sind das unsere Ängste als Erwachsene“, sagt Helmut Winkelmann. Es gehe darum, „dass wir angemessen mit den Kindern arbeiten“. Auch in Bezug auf heutige Gewalt im Alltag. „Wir versuchen an unserer Schule, ein durchgängiges Sozialtraining zu bieten. Das soll unser Beitrag gegen Gewalt sein, denn es fängt im Kleinen an, eine friedlichere Welt zu schaffen.“

Applaus gibt es für Michael Freitag-Parey, der für den Kirchenkreis Bremervörde-Zeven an der Gedenkstätte Lager Sandbostel arbeitet. Er hat das Thema angestoßen und trägt ein Gedicht von Viertklässler Vincent vor. Es handelt, passend an diesem 8. Mai, 70 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus, von „70 Jahren ohne Krieg – ein Wunder“. Michael Freitag Parey appelliert an die Kinder, weiterzuerzählen von dem, was damals passiert ist. „Werdet Friedensstifter.“

Der Vorsitzende der Stiftung Lager Sandbostel, Detlef Cordes bekennt derweil: „Ich bin ganz verwundert, hier vor einem Publikum zu stehen, das ganz anders ist als es normalerweise in der Gedenkstättenarbeit üblich ist.“

„Ein mutiges Projekt“

Er sei gespannt auf die Abschlusspräsentation zum Thema Krieg, Frieden und Menschenrechte. Der Grundschule Selsingen dankt er für das Vertrauen, die es dem friedenspädagogischen Mitarbeiter Michael Freitag-Parey ermöglicht habe, das Thema aufzuarbeiten. „Für die Gedenkstätte Lager Sandbostel ist dieses Projekt einerseits eine Weiterentwicklung und Wiederaufnahme der bewährten Zusammenarbeit mit den Schulen, die uns am Herzen liegt. Andererseits ist es aber auch Neuland, in die Schule zu gehen. Bisher haben wir keine Projekte mit Kindern in eurem Alter gemacht“, sagt Cordes. Jetzt wisse er, es sei den Kindern zuzutrauen, dass sie verstehen, um was es geht.

Selsingens Pastor Markus Stamme lobt die Kinder: „Es hat mich tief bewegt, was ihr über den Unsinn des Krieges geschrieben habt.“ Als Vater einer Viertklässlerin dankte er der Schule und der Gedenkstätte, dieses Thema anzugehen. „Es ist ein mutiges Projekt.“

 

Die vier 4. Klassen haben sich unterschiedlich mit Krieg, Frieden und Menschenrechten auseinandergesetzt. Die 4a beschäftigte sich mit dem Leben des ehemaligen Sandbosteler Lagerinsassen Harry Callan, gestaltete Plakate, schrieb ihm Briefe. Die 4b stellte das Kriegsende als Befreiung Deutschlands von den Nazis in den Mittelpunkt. Die 4c formulierte zehn Kinderrechte und schrieb sie auf „Fußspuren“ in der Aula. Und die 4 d fragte sich, wer heute eigentlich noch vom Krieg erzählen kann und warum die Gedenkstätte Lager Sandbostel für die Erinnerung so wichtig ist.

 

 Rückmeldung der Besucher: „Wir finden die Ausstellung super.“

 

Kriegsende am 8. Mai 1945: Befreiung oder Niederlage? Eindeutig Befreiung,heißt es in der Ausstellung in der Grundschule Selsingen.

 

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