Klasse als Team viel stärker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Zevener-Zeitung: Lutz Hilken   
Donnerstag, 19. November 2015 um 07:19

 

„Ubuntu“: Soziales Kompetenztraining an der Grundschule Selsingen fördert den Gemeinschaftssinn

 

Gespannt stellen sich die Viertklässler in Reih und Glied in die Aula der Grundschule Selsingen. Sozialarbeiter Julian Tewes legt ein Seil vor die Füße der Kinder. Die Spielregeln: Ohne zu sprechen und jederzeit mit mindestens einem Fuß auf dem Seil einander so zu sortieren, dass die Schüler am Ende nach Geburtsmonat von Januar bis Dezember geordnet stehen. Das Ergebnis? Bis auf zwei Ausnahmen korrekt. Erstaunlich.

 

 

Ein Spiel wie dieses schult die Kommunikationsfähigkeit der Kinder, erläutert Julian Tewes. Das helfe gerade bei Verständigungsproblemen. Es lasse aber auch Rückschlüsse zu auf den Charakter der Schüler, auf ihre motorischen Fähigkeiten.

Und es fördere überdies die Erkenntnis, sich bei Bedarf gegenseitig zu helfen und Probleme gemeinsam zu lösen. Mit anderen Worten: „Die Klassengemeinschaft wird gestärkt“, so Julian Tewes. Mit seiner Kollegin, der Sozialpädagogin Tanja Netzel, erklärt er den Mädchen und Jungen eine weitere Aktion, die die Teamfähigkeit in den Mittelpunkt stellt – das „Eisschollenspiel“.

Die Sozialarbeiter verteilen weitläufig kleine Matten in der Aula, eine für jeden Schüler. In der Mitte befindet sich die rettende Insel. Dorthin zu gelangen ist das Ziel, jedoch ohne zu springen, sondern sich von Matte zu Matte fortzubewegen, stets mit Hand oder Fuß auf einer Scholle. Sind alle Schüler mit vereinten Kräften auf der Insel, ist das Spiel gewonnen. Den Kindern gelingt es, selbst die weit entfernt stehenden Mitschüler zu holen, bevor sich die Sozialarbeiter herrenlose

Matten schnappen. „Toll gemacht“, lobt Tanja Netzel.

Das Teamwork ist hier das A und O, verdeutlicht Julian Tewes. Spielerisch kristallisieren sich die Rollen heraus, die die Kinder in der Klasse spielen – und wer gegebenenfalls welche Unterstützung benötigt.

Die Aktionen sind Bestandteil des Ubuntu-Trainings für soziale Kompetenz. Motto: „Gemeinsam sind wir stark“. Jede vierte Klasse kommt im Zuge von zwei Projekttagen in den Genuss dieser Friedenserziehung.

 

Phantasiereise nach Südafrika

 

Am ersten Tag etwa stand eine Phantasiereise nach Südafrika im Blick, in die Zeit der Apartheid. Hier erlebten die Kinder: „Was macht es mit mir, wenn ich ungerecht behandelt werde?“ Ein Beispiel: Eine kleine Gruppe von Schülern darf Cola und Kekse genießen, während sich der Großteil mit Wasser begnügen muss. Nicht Rache sei hier gefragt, sondern wie einst bei Nelson Mandela die Maxime, sich nicht über andere Menschen zu stellen, sie nicht zu klassifizieren.

Die Erkenntnis: Jeder Mensch ist gleich viel wert, auch wenn sie alle unterschiedlich sind. Davon könne man gegenseitig profitieren. Die Kooperationsspiele in der Aula dienten als praktische Fortsetzung der theoretischen Ebene, zu handeln und die Teamfähigkeit zu stärken, Sprachbarrieren zu überwinden – kindgerecht. „Nur mit Wiederholungen und Spaß kann es funktionieren“, so Julian Tewes.

Diesen präventiven Ansatz setzen die Sozialarbeiter beim Übergang der Kinder in weitergehende Schulen fort. In der benachbarten Oberschule sind beide ebenfalls tätig. Letztlich sollen die Schüler keine Hemmschwelle haben, die Sozialabeiter anzusprechen und Vertrauen zu fassen.

 

  

Sozialarbeiter Julian Tewes (rechts) und Sozialpädagogin Tanja Netzel (2. von rechts) trainieren mit Viertklässlern der Grundschule Selsingen die soziale Kompetenz. Auf einem Seil stehend geht es darum, ohne zu sprechen und mit mindestens einem Fuß auf dem Seil, einander nach Geburtsmonaten zu sortieren. Das hat erstaunlich gut geklappt.

 

 

 

Das „Eisschollenspiel“ stellt die Teamfähigkeit ins Zentrum.

 

 

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