„Mehraufwand lohnt sich“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Zevener-Zeitung Lutz Hilken   

Sozialarbeit an der Grundschule Selsingen soll von 20 auf 38,5 Wochenstunden fast verdoppelt werden

 

Die Arbeitsstunden für Schulsozialarbeit sollen an der Grundschule Selsingen deutlich erhöht werden. Und zwar von aktuell 20 auf bald 38,5 Stunden wöchentlich. Dies ist den neuen Herausforderungen durch die zunehmende Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund geschuldet. Schulleitung und Sozialarbeiter überzeugten die Mitglieder des Schulausschusses der Samtgemeinde. Der empfahl am Donnerstag einstimmig eine Erweiterung der Arbeitszeit auf eine volle Stelle.

 

Rektor Jürgen Marherr machte von Beginn an klar, warum alle drei in der Samtgemeinde tätigen Schulsozialarbeiter an der Sitzung teilnehmen. Zwar beantrage allein die Grundschule Selsingen die rasche Erhöhung der Arbeitszeit, doch müsse die Tätigkeit der Sozialarbeiter an den Bildungsstätten – inklusive der Oberschule Selsingen und der Grundschule Rhade – als gemeinsame Arbeit für alle Schulen gesehen werden. „Das Problem müssen wir insgesamt betrachten“, appellierte er. Zudem solle die Anwesenheit aller drei Sozialarbeiter zum Ausdruck bringen, „wie gut wir mit den Schulsozialarbeitern zusammenarbeiten“, sagte Jürgen Marherr und bezeichnete dieses Miteinander als „sehr wertvoll“.

 

Elf Flüchtlingskinder

 

Vor dem Hintergrund eines Konzeptes für die soziale Arbeit mit Flüchtlingskindern und deren Familien an der Grundschule Selsingen (siehe gesonderten Bericht) unterstrich der Rektor, dass er die Schule nicht losgelöst von der Gemeinde sehe. Vielmehr halte er es nach wie vor für wichtig, die Schule in den Ort zu integrieren.

Derzeit besuchen seinen Worten zufolge 21 Kinder mit Migrationshintergrund die Grundschule Selsingen, darunter elf Flüchtlingskinder – fünf davon seien nicht alphabetisiert, könnten also weder lesen noch schreiben. Die Schule fühle sich verantwortlich, sich der Menschen anzunehmen, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen und nach Selsingen kommen. Wichtig sei vor allem, vorausschauend zu planen und rechtzeitig zu reagieren. „Bei uns ist der einzelne Mensch wichtig“, betonte er. „Es lohnt sich, sich um jedes Kind zu kümmern.“ Menschlichkeit spiele eine entscheidende Rolle. „Uns geht es um ein Gesamtkonzept.“

Schulausschuss-Mitglied Reinhard Lindenberg (WFB) fragte rhetorisch, was das messbare Resultat einer Verdoppelung der Sozialarbeiterstunden sei. Das werde er in einem Jahr fragen.

„Messbare Erfolge sind im Sozialbereich schwer nachzuweisen“, bekannte Jürgen Marherr. Aber er nannte positive Beispiele: Die Investition ins DFB-Fußballfeld an der Grundschule oder in die Skateranlage in Selsingen würden gut angenommen und im Schulbereich etwa gebe es keine Schmierereien. Das sei in anderen Orten ganz anders.

Sozialpädagogin Tanja Netzel, die neben Julian Tewes und Maike Grotheer Sozialarbeit an den Schulen in der Samtgemeinde leistete, verdeutlichte: Mehr Zeit für die Sozialarbeiter bedeute mehr Möglichkeiten, vertrauensvolle Beziehungen zu Kindern und Eltern aufzubauen. Bindung sei letztlich gleichzusetzen mit Bildung. Hinzu komme, dass viele Flüchtlinge schwer traumatisiert seien. Und es würden weitere Flüchtlinge kommen. „Dieser Mehraufwand lohnt sich“, unterstrich sie.

Ratsfrau Thea Tomforde (CDU) lobte die Sozialarbeit an den Schulen: „Ich habe immer den Eindruck gewonnen, dass Sie sehr gute Arbeit leisten.“ Auch die gute Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Heinrich-Behnken-Oberschule halte sie für wichtig. Wobei sie anmerkte: „Es geht nicht nur um die Arbeit mit Flüchtlingen. Inklusion und Schüler mit schwierigem Sozialverhalten dürfen wir nicht vergessen.“ Dafür erntete Thea Tomforde zustimmendes Nicken. Sie bat aber auch zu bedenken, dass es eigentlich Aufgabe des Landes sei, die Sozialarbeit zu finanzieren.

Ausschussvorsitzender Marco Holsten aus Byhusen (CDU) griff diesen Ball auf. „Wir leben in einer großen Phase der Migration und Integration“, insofern stehe die Samtgemeinde dem Antrag wohlwollend gegenüber. Die Schulsozialarbeit solle jedoch zunächst befristet auf zwei Jahre auf eine volle Stelle quasi verdoppelt werden. „Wir wissen nicht, wie sich die Lage weiter entwickelt.“ Für die CDU stellte er den Antrag, die 38,5 Stunden befristet zu gewähren. In zwei Jahren gelte es, die Lage dann neu zu bewerten. Der Ausschuss folgte diesem Vorschlag einstimmig. Bezogen aufs ganze Jahr bedeute die Aufstockung rund 26 000 Euro Mehrkosten für die Samtgemeinde, erläuterte Schulamtsleiter Michael Hannebacher später bei den Etatberatungen. Zunächst aber müsse der Haushaltsplan für 2016 beschlossen werden.

 

 

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