Grundschulen widmen sich schwierigen Themen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Zevener-Zeitung: Schmidt   
Dienstag, 25. April 2017 um 06:13

„Wir müssen reden...“: Projekt mit der Gedenkstätte Lager Sandbostel zu den Bereichen Krieg, Frieden, Heimat und Flucht

 

SELSINGEN/SANDBOSTEL. Krieg, Frieden, Heimat, Flucht – große Themen. Sind sie für Grundschüler geeignet? Mit einem eindeutigen Ja beantworten die Initiatoren des Projekts „Wir müssen reden...“ diese Frage. In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Lager Sandbostel erörtern die Grundschulen Selsingen, Karlshöfen, Kuhstedt und Brillit, was Dritt- und Viertklässler zu den besagten Themen zu sagen haben. „Nachdem wir 2015 erstmals ein Projekt mit vier 4. Klassen zum Thema ,Krieg und Frieden‘ an der Grundschule Selsingen durchgeführt haben, findet dieses Projekt in diesem Jahr gleich an vier Grundschulen in der Umgebung der Gedenkstätte statt“, erklärt Michael Freitag-Parey, Friedenspädagoge des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven in der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Inhaltlich wurde die Fragestellung um Heimat und Flucht erweitert. So können die Schulen darauf reagieren, dass in ihrer Mitte Geflüchtete oder Migranten leben und lernen. Zu den Themen hat der „Arbeitskreis Grundschule“ mehrere Unterrichtseinheiten erarbeitet.

Die Ergebnisse wollen die Schüler ab 8. Mai, dem 72. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus, um 15.30 Uhr im Selsinger Rathaus präsentieren. Die Ausstellung ist in Selsingen eine Woche lang zu sehen, bevor sie ab dem 15. Mai um 15.30 Uhr für eine Woche im Gnarrenburger Rathaus präsentiert wird. Die Projektpartner sind sich einig, dass eine kindgerechte Aufbereitung schwieriger Themen in Grundschulen überaus wichtig sei. Der Karlshöfener Schulleiter Volker Kullik zog die Analogie zum Sexualunterricht, der manchmal hinterfragt werde, wenn er bereits im Grundschulalter angeboten werde: „Wenn wir es nicht machen, macht es die Straße. Und das können wir nicht wollen.“ Überdies ließen sich Themen wie Mobbing und Ausgrenzung mit dem Projekt verbinden. Angela Kerst von der Selsinger Grundschule und Jutta Müller (Brillit) haben eine große Offenheit bei ihren Schülern beobachtet, sich diesen Themen zu stellen. Auch Eltern seien dankbar, wenn Schule auf schwierige Themen Antworten finde. Dass allmählich auch Forschung, Wissenschaft und Pädagogik reagieren und Unterrichtsmaterialien erarbeiten, finden Kullik und Freitag-Parey erfreulich.

Anlässlich des Projekts wurde 2015 in Kooperation mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten in der Gedenkstätte Lager Sandbostel eine Fortbildung für Lehrer zu „Kinderliteratur über den Nationalsozialismus“ angeboten, erinnert Michael Freitag-Parey. Ein Ergebnis der Fortbildung war die Gründung eines in der Gedenkstätte Lager Sandbostel angesiedelten und vom Friedenspädagogen betreuten Arbeitskreises.

Mit dabei sind Silke Peters und Jutta Müller von der Grundschule in Brillit, Angela Kerst, Nancy Bohling und Helmut Winkelmann von der Grundschule Selsingen, Leoni Engelmartin von der Grundschule Kuhstedt und Volker Kullik vom Pendant in Karlshöfen. Der Arbeitskreis verfolge das Ziel, das Thema Nationalsozialismus in den Unterricht der 4. Klasse altersgerecht, sensibel und mit unterschiedlichen methodischen Zugängen einzubinden, betont Freitag-Parey. Die Schulen nähern sich dem aktuellen Projekt auf unterschiedliche Weise. In Selsingen geht es ums Motto „Heimat – den größten Schatz kann man sowieso nicht tragen“. In Karlshöfen steht das Buch „Elses Geschichte – ein Mädchen überlebt Auschwitz“ im Fokus. In Brillit erörtern Schüler das Buch „Bestimmt wird alles gut – die Geschichte einer Flucht“. Und die Kuhstedter behandeln das Thema „Krieg, wer bist du? Wer hat Dich vertrieben, Frieden?“

 

Volker Kullik (von links), Angela Kerst, Michael Freitag-Parey und Jutta Müller bei der Projektpräsentation. Im Vordergrund stehen Arbeiten von Schülern, die das Thema Heimat visualisiert haben.

 

 

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27446 Selsingen

Tel.: 04284/2241

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