Sie schlichten jeden Streit Drucken
Geschrieben von: Zevener-Zeitung: Thorsten Kratzmann   
Donnerstag, 22. Januar 2015 um 07:36

14 Viertklässler der Grundschule Selsingen wagen den Sprung in ein neues Aufgabenfeld

Der Streit mit dem Mitschüler hat an der Grundschule in Selsingen quasi keine Chance. Dafür sorgen seit sechs Jahren die alljährlich ausgebildeten Streitschlichter. Jetzt sind an der Schule 14 Viertklässler im Rahmen einer Zeremonie als Konfliktlotsen „vereidigt“ worden.

Dass die heile Welt in der norddeutschen Provinz gar nicht mehr so heile ist wie von den Politikern gern behauptet wird, das ist unter anderem daran zu erkennen, dass es in immer stärkerem Maß der Sozialarbeit bedarf, um selbst an Grundschulen ein friedliches Miteinander zu bewahren. Auch auf Selsingen treffe das uneingeschränkt zu, weiß Jürgen Marherr. Der Rektor der Grundschule Selsingen betont daher den Wert der Streitschlichter, die seit sechs Jahren ihren mäßigenden Einfluss auf die Mitschüler ausüben.

Zu Wochenbeginn sind 14 neue Streitschlichter ernannt worden. Vor der „feierlichen“ Zeremonie in der Schulaula betonte Sozialarbeiter Julian Tewes das Engagement der fünf Mädchen und neun Jungs. „Es war viel Arbeit und ihr habt viel gelernt“, lobte Tewes die Freiwilligen. Eine halbjährige Ausbildung haben die 14 Viertklässler hinter sich. Einmal wöchentlich hatten sie sich nach Unterrichtsschluss zur Gruppenarbeit versammelt, um in Rollenspielen fiktive Streitfälle zu lösen. Angeleitet wurden sie darin von Tewes und seiner Kollegin Tanja Pfleging.

 

Alle bestehen die Prüfung
 
Das Stundenkontingent des Duos hatten die Selsinger Politiker im laufenden Schuljahr erhöht, so dass es ihnen möglich war, die Streitschlichterausbildung zu übernehmen. Gegenstand dieser Ausbildung war es, den Schülern Lösungsstrategien für Streitfälle an die Hand zu geben, ihre Kommunikationsfähigkeit zu schulen, sie zur Reflexion anzuhalten, ihr Urteils- und Einfühlungsvermögen zu schärfen, sie zu befähigen, ihre Gefühle zu benennen oder auch sie darin zu bestärken „aus sich heraus zu kommen“, wie Tanja Pfleging erklärt.

Stolz sind die beiden Sozialarbeiter darauf, dass sich 14 Schüler zum Streitschlichter hatten ausbilden lassen wollen, und darauf, dass sie allesamt die Prüfung bestanden haben. Montagmittag erhielten die fünf Mädchen und neun Jungs jeweils eine Urkunde überreicht und einen Ausweis ausgehändigt, der sie zur „Amtsperson“ erhebt.

Doch damit nicht genug. Mit einem Sprung – nicht ins kalte Wasser, sondern durch eine papierne Wand – gelangten sie auf ihr neues Aufgabenfeld. Dort wurde ein jeder Streitschlichter von seinen Kollegen mit viel Jubel

begrüßt.

In den kommenden Tagen werden sie sich und die ihnen obliegende Aufgabe in jeder Klasse der Grundschule vorstellen. Ziel ist es, dass sie nicht nur im Streitfall aktiv werden, sondern auch als Ansprechpartner für ihre Mitschüler von der ersten bis zur vierten Klassen wahrgenommen werden.

 

 Die 14 frisch gebackenen Streitschlichter werden dafür sorgen, dass es unter ihren Mitschülern nicht zu Auseinandersetzungen kommt. Der Ausweis macht sie zur „Amtsperson“ auf dem Schulhof. Ihre Ausbildung absolvierten sie unter Anleitung von Tanja Pfleging und Julian Tewes.

 

 Es ist zwar nur eine Wand aus Papier, dennoch gehört Mut dazu, Anlauf zu nehmen und auf sie zuzuspringen – schließlich ist nicht zu sehen, was den Springer hinter der Wand erwartet. Miranda wagt es und wird bejubelt.