Sensibles Stück für Kinder Drucken
Geschrieben von: Zevener Zeitung: Lutz Hilken   
Dienstag, 28. März 2017 um 06:29

Holzwurm-Theater thematisiert Missbrauch vor Viertklässlern der Grundschule Selsingen

 

Grenzen setzen, den eigenen Gefühlen vertrauen, schlimme Geheimnisse nicht für sich behalten: Das sind Kernpunkte eines Theaterstücks über Missbrauch: „Sascha – Bis hierhin und nicht weiter“. Viertklässler der Grundschule Selsingen bekamen es am Mittwoch als Teil einer erstmals stattfindenden Präventionswoche zu sehen.

 

Das Holzwurm-Theater aus Winsen war zu Gast in der Aula, um das von Jens Heidtmann und Petra Erlemann geschriebene Stück zu präsentieren. Sexueller Missbrauch, ein sensibles Thema, das Puppenspieler Jens Heidtmann den Kindern behutsam näherbrachte.

„Ich erzähle euch heute Saschas Geschichte“, dessen größtes Hobby Judo ist. Das teilt er mit seiner Schulkameradin Margitta. Beide kennen sich schon lange und vertrauen einander. Als Saschas Vater seinen Sohn nicht mehr zum Judo-Training fahren kann, übernimmt dies Saschas Onkel Klaus. Der nimmt ihn nach dem Sport auch mit zu sich nach Hause, spendiert ihm leckeres Essen, gibt den Kumpel, der Geheimnisse nicht verrät.

Aus harmlosen Anfängen – Sascha darf beim Onkel im Bad duschen – erwächst eine unangenehme Entwicklung – irgendwann steht der Onkel selbst nackt mit in der Dusche und will den Jungen einseifen. Das möchte Sascha nicht, macht dies deutlich. Doch der Onkel wehrt ab: „Stell dich nicht so an, ist doch nichts dabei.“ Sascha ist verwirrt, findet das ekelig. Ob er damit Recht hat? „Jaaa“, antworten die Zuschauer aus den 4. Klassen.

 

Junge fühlt sich bedrängt

 

Sie verfolgen auch, wie es der Lehrerin im Stück auffällt, dass mit Sascha etwas nicht stimmt: „Sag mal, was ist in letzter Zeit mit dir los? Du warst ein guter Schüler und hast gut mitgemacht.“ Jetzt aber schaue der Junge häufig aus dem Fenster, sei mit seinen Gedanken ganz woanders. „Ist das viele Judo-Training zu viel?“, fragt sie. Sascha bekennt, sein Onkel Klaus fahre ihn immer zum Training. Aber er würde viel lieber mit dem Vater fahren.

Warum? Der Onkel fahre bei Rot über die Ampel und lache auch noch darüber, weicht Sascha aus. Auch an anderer Stelle erzählt Sascha, er wolle nicht mehr mit seinem Onkel zum Judo fahren. Doch nachdem die Erwachsenen diesen Hilferuf anfangs nicht verstehen und am Ende Saschas Freundin Margitta hellhörig wird, ihrer Mutter von Saschas Verhalten erzählt, ruft diese den Vater an.

Der spricht mit Sascha und fragt, ob mit Onkel Klaus etwas nicht stimmt. „Es gibt schöne Geheimnisse wie Schmetterlinge im Bauch. Es gibt aber auch schlechte Geheimnisse, die fühlen sich an wie Steine im Magen. Der Unterschied: Die schlimmen Geheimnisse darf man weitererzählen, das ist kein Petzen“, verdeutlicht der Vater. So offenbart sich der Junge. „Endlich ist es raus.“ Ihm fällt ein Stein vom Herzen und Onkel Klaus darf den Jungen nicht mehr zum Judo fahren.

„Wir wollen den Kindern keine Angst machen“, sagt Autorin Petra Erlemann. Vielmehr gehe es darum zu verdeutlich, sich wehren zu dürfen, wenn eigene Grenzen überschritten werden und Hilfe bei vertrauten Menschen zu suchen, auch mehrfach, falls es anfangs nicht klappt.

 

 

„Bis hierhin und nicht weiter...“: Sascha (rechts) und Freundin Margitta beim Judo. Puppenspieler Jens Heidtmann zeigt ein eindringliches Stück über den Missbrauch von Kindern, in dem der „Lieblingsonkel“ (links im Hintergrund) eine prägende und sehr unangenehme Rolle spielt.

 

 


Präventionswoche

 

Dienstag  

Den Auftakt der Präventionswoche bildete am Dienstag ein Elternabend mit dem Holzwurm-Theater, der Polizei, dem Vereins „Wildwasser“ sowie den Sozialarbeitern.

 

Mittwoch         

Gestern sahen Viertklässler das Theaterstück über Missbrauch inklusive einer Gesprächsrunde mit den Autoren.

 

Donnerstag

 

Heute sehen die Selsinger Viertklässler das Theaterstück „Netzdschungel“ bei der Polizei in Bremervörde. Hier geht es um Gefahren im Internet.

 

Freitag  

Morgen kommt die Polizei in die Schule, um den „Umgang mit dem Internet“ nachzubereiten.